die Band

Damals, ja damals, ja wie war denn das gleich. Ah ja…

Die Klassenfahrt nach Salzburg, ja die war´s. Wir wollten Musiker werden, Geld wie doppelte panini Fußballbilder in der Tasche haben und Frauen nein eigentlich Mädchen die einem am Gitarrengurt hängen. Sechzehn Jahre und voller Enthusiasmus, äh… stimmt nicht ganz, also das mit dem Alter, der kleinste war siebzehn. Der Kleine, der Dicke und der Langsame waren damals in einer Klasse.
Wir waren sozialkritisch, wollten dem System unsren Mittelfinger zeigen und Lieder spielen die die Gesellschaft an den Pranger stellt. Das erste Aufbegehren sollte am Abschlußabend an unserer Realschule stattfinden. Das musikalische Monopol des diktatorischen Musiklehrers, der in seiner Schulband die Leadgitarre spielte und ins Mikrofon säuselte, sollte pulverisiert werden. Für dieses Unterfangen holten sich der Kleine, der Dicke und der Langsame gitarrentechnische Verstärkung aus dem Lion-Feuchtwanger-Gymnasium.

Somit stand die Grundformation:
Der Kleine, der Dicke, der Langsame und der andere Dicke.

Das Schulkonzert war natürlich ein voller Erfolg. Mit den Hits „Knockin on Heaven´s door“ und „Karl der Käfer“ (Den Insektensong hatten wir all die Jahre im Programm) konnten wir Lob von allen Seiten einheimsen. Allerdings will sich in nüchternen Zustand niemand mehr die Videoaufnahme von diesem Abend antun. Aufgrund dieses Konzertes wurde ein junger Schüler inspiriert selbst die Klampfe in die Hand zu nehmen und eine eigene Band zu gründen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ein Übungsraum war schnell gefunden, der ehemalige Mutter-Kind Raum der St. Gertrud im Harthof sollte es sein. Eigentlich war es ein Keller mit Kochnische, Toiletten und eine Fläche von 100-150 qm2. Kreativ wie wir waren, war auch der Bandname schnell gefunden „Church Basement“ –Kirchenkeller (damals fanden wir das ziemlich genial). Nach diesem ersten großen Konzert fielen wir erst mal in ein großen Loch, trafen uns oft, spielten wenig, und probierten einige neue Musiker aus.
Der Kleine spielte Schlagzeug und sang und irgendwie war die Kombination nicht so richtig ein Hit. Der Dicke kam irgendwann mit einem fast blinden Jungen an, der vorgab Schlagzeug spielen zu können. Nachdem er wußte wo die Trommeln standen klappte das auch ganz gut. Der Blinde vermittelte einen Bandwettbewerb der jungen Union in Dachau. Politische Anschauungen hin oder her wir wollten spielen. In der Zwischenzeit wurde der andere Dicke aus der Band hinauskomplimentiert weil der Rest der Band ja so aktiv war und der andere Dicke nur im Sessel Gitarre gespielt hat. Wir träumten ja immer noch vom Olympiastadion.
Der Wettbewerb lief sehr gut für Church Basement. Am Schluß war der 2. Platz herausgesprungen, ob der phänomenalen Spielleistung oder der Hundertschaft an Fans den Ausschlag gab sei dahingestellt.

Ein Jahr gab dem nächsten die Hand und Church Basement spielte sich durch die Jugendzentren des Mümchner Nordens. Rhytmusgitarristen, Schlagzeuger, Backgroundsängerinen kamen und gingen und irgendwann war eine Art Kult um die Band entstanden. Jeder der im Münchner Norden aufgewachsen und ein Faible für alternative Musik hatte, war zumindest einmal auf einem Church Basement Konzert. Es wurde über die Band gesprochen, wenn auch selten positiv. 1996 stand die Band kurz vor der Auflösung, obwohl zu dem Zeitpunkt nicht darüber geredet wurde. Der Kleine und der Dicke kamen einfach nicht mehr zur Bandprobe. Der Langsame und der Junge (der inzwischen Schlagzeuger war) probten eine Zeitlang einfach allein weiter.

Trotzdem war jedem in der Band klar, dass sich Church Basement niemals auflösen würde. Damals entstand das hartnäckige Gerücht „Church Basement probt regelmäßig, nämlich einmal im Jahr“
Nach dreijähriger Pause traf man sich auf dem 27. Geburtstag des Kleinen und trank Alkohol. Der Kleine holte irgendwann das Videotape vom ersten Auftritt am Abschlußabend hervor und Church Basement war wiedergeboren. Und das in der Urbesetzung mit dem Kleinen, dem Langsamen, dem Dicken, dem anderen Dicken und dem Jungen am Schlagzeug.

Wir waren wieder da, mit neuer Motivation, neuen Liedern (naja, fast) und einer Geigerin. Wir verbrachten unsere Freizeit im Studio und auf den Brettern die die Welt bedeuten (Zugegeben es waren sehr kleine Bretter).
Naja und dann ging wieder alles von vorne los – der Bandübungsraum verwaiste.

Aber vieleicht packen wir zum 37. Geburtstag des Kleinen wieder unsere Instrumente aus der Mottenbox denn:

Church Basement ist kein Projekt, Church Basement ist eine Einstellung.